Schwabe

Geschichte

Augustinus-Gesamt-
ausgabe, 1506

 

Petri

Gegründet wurde das Unternehmen durch den 1441 geborenen Johannes Petri von Langendorf bei Hammelburg in Franken, der noch zu Lebzeiten Gutenbergs in Mainz die Buchdruckerkunst und den Schriftguss erlernt hatte. Nach der Gründung der Universität Basel (1460) hatte er sich in Basel, einem der frühesten Druckorte der Welt, niedergelassen. Im November 1488 erwarb er sich das Basler Bürgerrecht und wurde in die Safranzunft aufgenommen.

Johannes Petri hat teils selbständig, teils in Druck- und Verlagsgemeinschaft mit Johannes Amerbach, dem ersten humanistischen Drucker Basels, und Johannes Froben, dem späteren Drucker und Freund des Erasmus, eine erstaunliche Reihe von Werken publiziert, z.B. eine dreibändige Ambrosius-Ausgabe und eine elfteilige Augustinus-Gesamtausgabe, beides im Jahre 1506. In zweiter Generation ging die Buchdruckerei an den Neffen Adam Petri über, der als eifriger Anhänger und Verbreiter der Gedanken Luthers fast alle wichtigen Schriften dieses Reformators druckte, z.B. als erster Basler Drucker die auf der Wartburg geschaffene Übersetzung des Neuen Testaments (1523).

Sebastian Münster: Cosmographia -
Beschreibung aller Lender, 1544

 

Henricpetri

Ihre Blüte erreichte die Petrinische Offizin unter Adams Sohn Heinrich Petri (1508–1579). Dieser war neben seiner verlegerischen Tätigkeit Ratsherr und Deputat von Basel in der Eidgenossenschaft. 1556 wurde er auf Fürsprache Vesals von Kaiser Karl V. geadelt. Seine Druckerei nahm den Namen Officina Henricpetrina und seine Söhne den Namen Henricpetri an. Heinrich Petri hielt sich aus den religiösen Kontroversen heraus und verlegte Literatur von der Theologie über klassische Autoren und Zeitgeschichte bis zur Mathematik und Naturwissenschaft, Medizin und Alchemie, darunter zahlreiche Sammelwerke und umfangreiche Lexika. Besonders zustatten kam ihm die Mitwirkung des hervorragenden Hebraisten und Kosmographen Sebastian Münster (1488–1552), der seit 1529 an der Basler Universität lehrte. Münster war durch Heirat mit Heinrich Petris Mutter sein Stiefvater geworden, und seine „Cosmographia“ brachte Petri den grössten buchhändlerischen Erfolg.

Bedeutende Künstler jener Zeit, z.B. Urs Graf und Hans Holbein, später Conrad Schnitt und Tobias Stimmer, illustrierten die Druckwerke Adam und Heinrich Petris. Aus Adams letzten Jahren stammt das noch heute verwendete Verlagssignet, das eine Stelle aus dem alttestamentlichen Buch Jeremias (23,29) illustriert: «'Ist nicht mein Wort wie Feuer', spricht der Herr, 'wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?'»

Correspondenz-Blatt für Schweizer Ärzte, 1871 (Vorläufer der heutigen EMH-Zeitschriften «Schweizerische Ärztezeitung» und «Swiss Medical Weekly»)

Historisches Wörterbuch der Philosophie,
13 Bände, 1970-2007

Schwabe

Nach Heinrich Petris Tod 1579 führte Sebastian Henricpetri während 50 Jahren den Betrieb weiter. Von dessen Erben übernahm Jacob Bertsche 1665 die Firma, die dann über die Familie Lüdin und die Druckerdynastie der Decker schliesslich an die Schweigerhauserische Verlagsbuchhandlung überging. Diese wurde nach mehrfachen Umgestaltungen 1868 von Benno Schwabe übernommen. Benno Schwabes Nachkommen führten das Unternehmen ins 20. Jahrhundert, ab 1926 unterstützt von seinem Enkel Dr. med. h.c. Christian Overstolz, der 1963 die Firma übernahm. Diese wurde schliesslich von einer Kollektivgesellschaft in eine in Familienbesitz befindliche Aktiengesellschaft umgewandelt, an deren Spitze von 1979 bis 1996 Dr. iur. Christian Overstolz (seit 1961 im Geschäft) stand. 1996 ging die Aktienmehrheit an die beiden langjährigen Direktoren Hans Rudolf Bienz und Dr. Urs Breitenstein über. Nach seiner Pensionierung, per 30. November 2007, ist Dr. Urs Breitenstein aus der Firma Schwabe ausgeschieden. Er hat seine Anteile an der Firma an seinen seit der Nachfolgeregelung 1996 gleichberechtigten Partner Hans Rudolf Bienz verkauft, der jetzt alleiniger Besitzer der Firma Schwabe ist.

1997 haben die Schwabe AG und die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH gemeinsam den Schweizerischen Ärzteverlag EMH (Editores Medicorum Helveticorum) gegründet.

Heute stellt sich das traditionsreiche Druck- und Verlagshaus als dynamisches schweizerisches Unternehmen mit rund 160 Angestellten und einem breiten Dienstleistungsangebot dar. Zum Unternehmen gehört neben dem Verlag eine leistungsfähige Druckerei, die mit modernsten technischen Mitteln qualitativ hochstehende Druckprodukte herstellt. Der selbständige Bereich Informatik schafft die Verbindung von Druckerei und Verlag mit der weiten Welt der neuen elektronischen Medien. Die firmeneigene Buchhandlung «Das Narrenschiff» bietet mitten in der Stadt Basel ein ausgeprägt geisteswissenschaftliches und literarisches Programm an.