Schwabe

Literarische Ethnografien der Ukraine


Schwabe interdisziplinär (Schwint)
Wolfgang Rother (Hrsg.)

Schwint
5: Tatjana Hofmann
Literarische Ethnografien der Ukraine
Prosa nach 1991
2014. 500 Seiten. Gebunden.
sFr. 68.- / € (D) 68.- / € (A) 69.50
ISBN 978-3-7965-3330-3
Literarische Ethnografien der Ukraine68.00

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Konstruktionen der Ukraine in ukrainischer und russischer Prosa

Nach 1991 findet eine verstärkte (Selbst-) Ethnologisierung der Ukraine in der Literatur statt. Dafür gestalten ukrainisch- und russischsprachige Prosatexte kulturelle und fiktionale Räume. Die Narrationen mit Fokus auf die West-, Ost-, Zentralukraine und die Krym sowie L’viv, Kyïv und Charkiv werden in dieser Studie zu Objekten einer «beobachtenden Lektüre» literarischer Explorationen. 

Die Ukraine ist nicht nur in letzter Zeit von innen- wie aussenpolitischen Konflikten zerrüttet, sondern seit Jahrhunderten von politischen Brüchen und territorialen Neuverschiebungen geprägt. Das zweitgrösste europäische Land ist zum Gegenstand national engagierter Konstruktionen und Dokumentationen geworden, die der Selbsterkundung und Positionierung dienen. Die Untersuchung analysiert dieses Phänomen anhand ukrainisch- und russischsprachiger Prosa aus der Zeit von 1991 bis 2011 – den ersten beiden Jahrzehnten der Unabhängigkeit der Ukraine.

Der nachholende Anschluss der fiktionalen Ukraine an europäisch konnotierte Diskurse verdeckt zeitgleich zu findende literarische Charakteristika, die dem postmodernen Denken widersprechen: Das totgesagte Subjekt kehrt zurück, die «korrigierte» und «wahre» Geschichte sowie ausserliterarisch erfahrbare Topografien werden vorausgesetzt.

Die Arbeit betrachtet, wie Prosatexte auf (meta)sprachlicher Ebene die Ukraine konzipieren – wie sie an der Writing Culture partizipieren und wie sie dafür das Konzept der Ethnografie, der Vertextlichung erlebter Räume, einsetzen. Sie geht auf diese Weise dem «ethnografischen» – Kultur beobachtenden und erschreibenden – Moment von Literatur nach, um eine theoretische und an komparatistischen Beispielanalysen ausgeführte Alternative zur postkolonialen Politisierung anzubieten. Vor der Folie des nationalen Diskurses stehen heterogene Repräsentationen verschiedener Regionen und Städte der Ukraine im Vordergrund.   

Tatjana Hofmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Slavischen Seminar der Universtität Zürich. Sie hat an der Humboldt-Universität zu Berlin Ethnologie, Slavistik und Germanistik studiert, 2012 promovierte sie an der Universtität Zürich mit der vorliegenden Arbeit. Sie setzt sich mit der ostslavischen Kultur und Literatur der Moderne und Postmoderne auseinander, publiziert und übersetzt.

„In ihrer beeindruckenden Dissertation unternimmt die Verfasserin einen Brückenschlag zwischen Literaturwissenschaft und Ethnologie (Tatjana Hofmann hat beides studiert), der zugleich einen Beitrag zu einer spezifisch verstandenen Geschichte der ukrainischen Literatur seit der Wende von 1991 darstellt. […] Zusammenfassend ist zu sagen, dass die vorliegende Arbeit von Tatjana Hofmann eine sowohl hinsichtlich des einbezogenen Materials als auch des theoretischen Anspruchs beeindruckende Forschungsleistung darstellt, die sicher im Spitzenfeld kulturwissenschaftlicher Dissertationen anzusiedeln ist.ˮ Zeitschrift für Slavische Philologie, Prof. Dr. Alois Woldan, 2015.