Schwabe

Schweizerisches Idiotikon, XVII, Heft 224


Schweizerisches Idiotikon (Idiotikon Fasc.)
Wörterbuch der Schweizerdeutschen Sprache
Schwabe AG

Idiotikon Fasc.
Heft 224, Band XVII
Schweizerisches Idiotikon, XVII, Heft 224
Zacht-zucht, Zad–zud, Zaf–zuf, Zag–zug
Spalten 257 - 384.
2016. Gebunden.
sFr. 33.- / € (D) 33.-
ISBN 978-3-7965-3669-4
Schweizerisches Idiotikon, XVII, Heft 22433.00


Das Schweizerdeutsche Wörterbuch – nach 150 Jahren beim Buchstaben Z angekommen

Heft 222, die erste Lieferung des 17. Bandes, enthält alle Wörter, die entweder nur aus Z oder aber aus Z plus einem Vokal (ohne diesem direkt folgendem Konsonanten) be- stehen.

Den Anfang macht der Buchstabe Z, unter dessen Zusammensetzung Züri­Z wir einer zum Glück längst vergangenen Praxis begegnen: Um 1865 sagte man von einem, der wegen Diebstahls den Zürcher «Verbrecherstempel», ein «Z», aufgebrannt erhielt, er hät s Zürizätt uf em Rugge. Ein Z drückt sodann Verwunderung (Z! das ischt doch fataal!), Bejahung (Z, iich weiss es) oder, schnalzend gesprochen, Missbilligung aus (Z z z! Es het doch eke Gattig!). Wiederholtes z, za, zä, zi, zie, zo, zu, zui oder zü fungiert als Lockruf: Katzen ruft man chumm, zi zi zi, Kälber und Fohlen u zie zie zie, Ziegen o za za za za, Schafe zä zä zä, und Schweine reagieren auf zu zu züüli. Verbreitet nennt man auch die Katze selbst kindersprachlich Zi, Ziz oder Zizi. Ostschweizerisches Zioo ist wiederum ein Schlittenruf. Und im «Postheiri», einer Art «Nebenspalter» des 19. Jahrhunderts, bezeichnete man um 1850 die Appenzeller scherzhaft als Zuaven – eigentlich der Name eines Berberstammes, im 19. Jahrhundert aber ein gängiger Begriff für in Nordafrika rekrutierte und orientalisch uniformierte Söldner.

Der grösste Teil des Heftes ist dem so unscheinbar wirkenden, aber eine ungeheure Vielfalt von Anwendungen aufweisenden Wörtchen z(e) beziehungsweise zue gewidmet. In der Standardsprache in der Lautung «zu» zusammengefallen, war ze ursprünglich die Präposition, zue hingegen das Adverb, eine Trennung, welche die schweizerdeutschen Mundarten des Mittellandes teilweise, manche alpine Mundarten sogar vollständig bewahrt haben. Das Wort kann als Adverb, als Präposition, als Adjektiv und als bedeutungsentleerte Partikel fungieren; es drückt lokale (wo? wohin?), temporale (wann?), modale (wie?), finale (wofür?), konsekutive (wozu?) und sonstige Relationen aus. Als lokale Präposition gebraucht, können die Sprecher wegen ihrer jeweiligen Verwendung von z(e) aneinander vorbeireden: Die Walliser und Walser verstehen unter z Fryburg «nach Freiburg», die Mittelländer aber «in Freiburg». Auch das temporale z(e) bezeichnet Verschiedenes: Für die Nordschweizer bedeuten etwa z Aabig oder z Nacht «am Abend, in der Nacht», für die Bündner Walser aber meint z Jaar «im folgenden Jahr».

Den Abschluss des Heftes machen Wörter mit der Lautstruktur z plus Vokal plus b, also beispielsweise zable «zappeln» und das frankoprovenzalische Lehnwort zybe «auf dem Eis gleiten».  

Hans-Peter Schifferle, geb. 1954, Dr. phil., Chefredaktor. Studium der Germanistik, italienischen Literatur und Volkskunde an der Universität Zürich.

Andreas Burri, geb. 1956. Dr. phil., Studium der Dialektologie und Volkskunde der deutschen Schweiz, der deutschen Sprache und Schweizergeschichte an der Universität Bern.

Christoph Landolt, geb. 1966, Dr. phil., Studium der Vergleichenden germanischen Sprachwissenschaft, der Nordischen Philologie und der Allgemeinen Geschichte an der Universität Zürich.

Hans Bickel, geb. 1957, Prof. Dr. phil., Studium der Germanistik, Ethnologie und Volkskunde an der Universität Basel und an der Purdue University in West Lafayette/Indiana (USA).

Martin H. Graf, geb. 1975, Dr. phil., Studium der Germanistik, Allgemeinen Geschichte und Mittellateinischen Philologie an der Universität Zürich.

Claudia Schmid, geb. 1985, MA., Studium der Vergleichenden germanischen Sprachwissenschaft, Allgemeinen Geschichte und Geschichte des Mittelalters an der Universität Zürich.

   

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