Die Schalmeien und ihre Geschichte
In dieser Publikation wird zum ersten Mal die Kultur- und Sozialgeschichte der Volksoboen und Volksklarinetten über mehr als drei Jahrtausende hinweg dargestellt. Obwohl die Schalmeien bis heute in Gebrauch sind, blieben sie weitgehend unerforscht und ihre Vielfalt ist bedroht. Sie sind Musikinstrumente der Magie und Ekstase; sie begleiten Hochzeiten und Rituale, sind Tanz- und Kampfinstrumente, Instrumente der Liebe, der Medizin und der Totenklage. Im Nahen Osten, in Asien und Nordafrika ist ihre Tradition seit der Antike ungebrochen. Im sich zusammenschliessenden Europa spielt ihre Erneuerung eine zentrale Rolle in der Festigung regionaler kultureller Identitäten (Katalonien und Nordspanien, Bretagne und Südfrankreich, Italien). Einzelne Instrumente wurden durch die Weltmusik und den Tourismus international bekannt, wie Bombarde (Bretagne), Zurna (Türkei), Duduk (Armenien), Mizmar (Ägypten, Jemen), Shenai (Indien), Suona (China).
Schreitender Aulet (Doppeloboespieler); Keramik (Antikes Griechenland, 5. Jh. v. u. Z.)Die Kultur- und Sozialgeschichte dieser Instrumente, ihrer Musik und ihrer Spieler erstreckt sich über mehr als dreitausend Jahre. Sie umfasst unter anderem die Musikantinnen des alten Ägypten, die Dionysien und Symposien der griechischen Antike (Aulos), Staatsakte, Opferrituale und Liebesdienerinnen der Römer (Tibia), die Troubadours und Wandermusiker, Engel und Teufel, Prozessionen und Turniere des Mittelalters, die Janitscharenkrieger der Osmanen, die Stadt- und Hofmusiker des Barock und der Renaissance, Militärhautboisten, musizierende Hirten und Roma, Tempelmusiker, Schlangenbeschwörer und Musikerkasten des Orients sowie Musiker der Gegenwart, welche Traditionen bewahren oder mit neuen Klängen experimentieren. Querverbindungen führen nicht nur zu den heutigen Rohrblattinstrumenten.in der klassischen und «alten» Musik, sondern auch zum Jazz, zur Volksmusik sowie zur Weltmusik der Neuzeit und Postmoderne.
Schalmeien - Seelenboten der Welt
Schalmeien sind die Ahnen einer grossen und berühmten Instrumentenfamilie, zu der auch die zeitgenössische Oboe und das Fagott, die moderne Klarinette und das Saxophon gehören - alles Rohrblattinstrumente. Schalmeien sind gewissermassen die einfachen Verwandten vom Lande, meist unbekannt und oft verkannt und sie sind auch heute noch an den unterschiedlichsten Orten der Welt zu finden.
Nagaschwaram, Perkussionsbegleitung und Täzer (Mamallapuram, Südindien) Alle Feste und Feiern, religiöse und profane, wurden mit Schalmeien durchgeführt. Ihr magischer Klang diente Priestern und Heilern, Heerführern, Liebesboten und Totenklägern. Schalmeien sangen von Liebe und Leid, von Macht und Sieg, von Verfolgung und Einsamkeit bis hin zur freudigen Geselligkeit.
Kein Instrument ist der menschlichen Stimme so ähnlich wie die Schalmei, kein anderes übt eine solche Macht auf die Gefühle aus. Diese Musik ist eng mit Erotik und Ekstase, mit dem Auslösen und Ausleben von Kräften des Lebens und der Zerstörung verbunden. Ihre unmittelbar erfahrbare, oft unwiderstehliche, aber nicht genau erklärbare Wirkung, macht sie zu einer Vermittlerin aussersinnlicher Erfahrungen.
Die Spieler der Schalmei wurden begehrt und gehasst, gerufen und verfolgt, gehätschelt und vernachlässigt, geliebt und verfemt. Wegen ihrer magischen Wirkung auf die Gefühle wurden Musiker und Instrumente von religiösen wie staatlichen Autoritäten geächtet. Sie lebten oft am Rande der Gesellschaft, wirkten im Verborgenen als Partisanen der Musik, als Vertreter von Grenzüberschreitungen im Alltag ... und sie haben sich bis heute die Fähigkeit bewahrt, präsent und doch kaum auffindbar zu sein.
Aus dem Inhalt
Schalmeigebiete und Reisewege o Das Spiel mit Musikrohr und Wunderblatt o Vom Nil bis Anatolien o Die griechische Welt o Das biblische Erbe o Etrurien, Rom, Italien o Eurasische Mitte o Tonspur der römischen Welt o Tibet, China, Japan o Südostasien o Der indische Subkontinent o Völkerwanderung und Islam o Das Mittelalter o Elemente der Volkskultur o Vom Atem zum Klang o Rajasthans, Fahrende und Maharajas o Raub- und Kreuzzüge o Roma und Sinti o Unterwegs in die Zukunft o Die Aufsteiger: Oboe und Fagott o Die Karriere der Klarinette o Handorgel und Ländler
Die CD-ROM: Reich an Bildern und weiteren Informationen
Das Buch vermittelt die grundlegenden Informationen und gibt eine Übersicht über alle heute gebräuchlichen Instrumente. Die CD-ROM ist reich an zusätzlichen Informationen; sie enthält über 500 Abbildungen und 2331 Seiten Text (mit Druckdateien). Die Bilder der Musiker, Instrumente und kunstgeschichtlichen Zeugnisse (alle mit Legende) lassen sich in Bildschirmgrösse betrachten. Mit einer reichhaltigen Disko- und Bibliographie, mit Instrumentenverzeichnissen und Links.
Der Autor
Der Kinder- und Jugendpsychiater Heinz Stefan Herzka reiste mit seiner Lebensgefährtin während über zwanzig Jahren auf den Spuren der Instrumente zu traditionellen Musikern und Instrumentenbauern in der ganzen Welt. Sie trafen Menschen, mit denen Fremde selten in Kontakt kommen. Reiseerfahrungen und Recherchen, heutige Spielpraxis und Kulturgeschichte, sind im vorliegenden Werk dokumentiert, miteinander verbunden und in allgemein verständlicher Sprache dargestellt.
Für weitere Informationen zu Autor und Werk:
www.herzkaprof.ch
www.kidspsy.ch
Pressestimmen
Erstmals wird umfassend die Kultur und Sozialgeschichte dieser Jahrtausende alten Musikinstrumente dargestellt. Mit diesem Buch hat der Autor ein Standardwerk zum Thema verfasst.
Medical Tribune
Der Zürcher Kinderpsychiater Heinz Stephan Herzka ist dem Klang der Schalmeien erlegen.
Schweizer Radio DRS 2